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Die Frage war: "Ist Cystatin C ein besserer Marker der Nierenfunktion?"
Hier ein kleiner Auszug aus "Laborlexikon"
Physiologie:

Cystatin C:
Cystein-Protease-Inhibitor (Cystatin-Superfamilie)
Gen-Ort: Chromosom 20p11.2
Molekulargewicht: 13,3 kD
Länge: 120 Aminosäuren (niedermolekular), siehe auch andere niedermolekulare Proteine:
Beta-2-Mikroglobulin
Alpha-1-Mikroglobulin
konstante Bildungsrate:
Bildung in den meisten kernhaltigen Zellen
relativ konstanter Produktion ("house-keeping gene")
keine Beeinflussung durch entzündliche Prozesse (Ausnahme: Autoimmunerkrankungen) oder konsumierende Erkrankungen beschrieben (kein Akut-Phase-Protein)
freie glomeruläre Filtration (keine tubuläre Rückresorption oder Sezernierung, kein Abbau) → Serumkonzentration hängt ausschließlich von der glomerulären Filtrationsleistung der Niere ab
Funktionen:
Hemmung von Cystein-Proteinasen, die folgende Prozesse regeln:
intrazellulärer Proteinkatabolismus
Bildung von Prohormonen durch Proteolyse
Kollagenmetabolismus
Penetration von gesundem Gewebe durch Tumorzellen
Vorteile gegenüber Creatininbestimmung:

geringerer Einfluß von:
Muskelmasse → bessere Aussage bei Kindern
Ernährung (z.B. Fleisch)
Geschlecht
keine Störung wie bei der Jaffé-Reaktion (Methode der Kreatinin-Bestimmung) durch:
Cephalosporinen
Acetylsalicylsäure
Cyclosporin
Bilirubin
kreatininblinder Bereich:
moderaten Einschränkung der GFR zwischen 80 und 40 ml/min
in diesem Bereich hat das Cystatin C eine größere diagnostische Sensitivität und Spezifität als Kreatinin im Serum
meist noch kein Anstieg der Kreatininkonzentration im Serum
Clearance:

über den Cystatin C-Wert im Serum kann die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) abgeschätzt werden

glomeruläre Filtrationsrate (ml/Min.) =

74.835
———————————
CystatinC (mg/l) 1.333

Beste Grüße
RaOsteo

Kommentare

Cystatin C
Goldstandard zur Bestimmung der GFR mit der endogenen Clearance
Viele Studien der letzten Jahre belegen den Zusammenhang einer Nierenfunktionsstörung und/oder Proteinurie mit dem Risiko für Arteriosklerose und erhöhter Mortalität. Deshalb wird eine frühzeitige Diagnostik einer Nieren-funktionsstörung immer wichtiger. Kreatinin i. S. spiegelt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) aber unzu-reichend wider (Kreatinin- blinder Bereich). Außerdem wird die Kreatinin-Clearance aufgrund von Sammelfehlern des 24-h-Urins als Suchtest für eine reduzierte GFR nicht mehr empfohlen.
Deutlich besser als Kreatinin korreliert das Cystatin C im Serum mit den direkt gemessenen Werten der GFR (Isotopen-Methode) und ist somit ein empfindlicherer Marker zur Erkennung von leichten Einschränkungen der GFR. Damit entfallen die Probleme des Kreatinin-blinden Bereichs.
Druckversion (pdf)
Cystatin C hat Vorteile
 in der Erstdiagnostik
der gestörten
Nierenfunktion
 bei Diabetes mellitus
 bei Älteren und
Kindern
 bei Unter- und
Übergewicht
 zur Dosisberechnung
toxischer
Medikamente
 zum Monitoring der
Nierenfunktion in der
Posttransplantationsph
ase
 bei V.a. Störung der
Kreatininmessung
Stadieneinteilung:
GFR (ml/min/1,73m2)
1 >90 normal
2 60-89 gering vermindert
3 30-59 mittelgradig reduziert
4 15-29 stark vermindert
5 <15 Nierenversagen
Material: 0,5 ml Serum
Cystatin C wird als kleines Protein (Protease-Inhibitor) komplett glomerulär filtriert, tubulär reabsorbiert und katabolisiert. Cystatin C wird von nahezu allen kernhaltigen Zellen gebildet.
Die Syntheserate ist stabil und unabhängig von Akute-Phase-Reaktion, Lebererkrankungen, Muskelmasse, Nahrungsgewohnheiten und Alter. Cystatin C wird bei GFR unter 88 ml/min/1,73m2 bereits auffällig, während Kreatinin i.S. erst bei GFR unter 75 ml/min/1,73m2 ansteigt.
Aus diesen Gründen ist Cystatin C ein idealer Parameter zur Abschätzung der GFR, was in vielen Publikationen und Metaanalysen bestätigt wurde. Cystatin C korreliert mit dem Ausmaß einer Albuminurie bei Diabetes mellitus. Mit Cystatin C kann bei Kindern bereits ab dem 1. Lebensjahr die GFR abgeschätzt werden.
Der Cystatin C-Wert wird nur durch wenige extrarenale Faktoren beeinflusst: So findet man bei hoch dosierter Glukokortikoidgabe sowie bei manifester Hyperthyreose erhöhte Cystatin C- Werte. Bei unbehandelter hypothyreoter Stoffwechsellage kann hingegen Cystatin C erniedrigt sein.
Neben Cystatin C wird auch die MDRD-Formel als kostengünstige Variante zur Abschätzung der GFR empfohlen. Aus laborärztlicher Sicht ist die mit der MDRD-Formel errechnete GFR aber aus mehreren Gründen nicht unproblematisch, wie z.B. Störfaktoren bei der Kreatininmessung, Abhängig-keit des Kreatininwertes von Muskelmasse und Ernährung, unzureichende Standardisierung (s.a. LaborInfo 140 MDRD-Formel).
Zusammenfassung:
 
Als Goldstandard für die Bestimmung der endogenen GFR gilt die Messung von Cystatin C i.S., sofern keine hoch dosierte Glukokortikoid-Therapie durchgeführt wird. Die MDRD-Formel hingegen ist besonders geeignet für Patienten mit bekannter Niereninsuffizienz, da die Formel in diesem Kollektiv ent-wickelt worden ist.