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Hallo an Alle,
es ist geschafft, seit ein paar Tagen darf ich mich dank im 1. Anlauf bestandener Prüfung Heilpraktikerin nennen und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Es ist wunderbar, die Möglichkeit zu haben, bereits Gelerntes mit Hilfe der kostenlosen Videos/Audios zusätzlich zu den eigenen Unterlagen nochmals zu vertiefen und an Erfahrungen anderer Lerngenossen teilzuhaben. Als kleines Dankeschön dafür möchte auch ich nun allen, denen die Prüfung noch bevorsteht, neuen Lesestoff geben...

Prüfung Landshut, April 2012

Nach kurzer Vorstellung der Beisitzer durch Dr. D. sollte ich erst ein paar Worte zu meiner Person sagen, beruflicher Werdegang und Intention HP zu werden. Auch die Frage, ob ich eine Schule besucht hätte, kam (Ja), dann noch ein kurzer Blick auf Ergebnis/Fehlerzahl in der Schriftlichen.

Und dann lief die Zeit. Den Anfang machte die erste Beisitzerin. Sie reichte mir ein DIN A4 Blatt mit einer Zeichnung der oberen Extremitäten. Bitte alle Knochen nennen und die Gelenke die gebildet werden. Ein zweites Blatt... Abbildung der Knochen der Hand, hier ebenfalls wieder alle benennen (tja... es fährt der Kahn... ;-) ). Die Gelenkform zwischen den beiden Reihen der Handwurzelknochen (Gleitgelenk) fiel mir dann leider nicht ein. War nicht schlimm, braucht man wirklich extrem selten (O-Ton Beisitzerin). Abschließend noch eine Gelenkform nennen, die wir noch nicht hatten (Drehgelenk). Dann kamen auch schon Fallbeispiele.
Beispiel 1: 48jähriger Mann kommt direkt in die Praxis. Auf dem Weg von Haustür zum Auto plötzliche Atemnot, er ist unruhig, blaue Lippen -> Notfall, Pneumothorax.
Beispiel 2: Gleicher Mann, kommt direkt in Praxis, hat Schmerzen in der Brust, in einer Intensität, die er noch nicht kannte. Dazu Angst, Engegefühl -> klar, Notfall, Herzinfarkt. Bei beiden Notfällen keine weitere Beschreibung von Klinik usw. nötig.
Beispiel 3: Langjähriger Patient, Vertreter, um die 50, isst und trinkt gerne, Genußmensch. Ruft an, weil er unterwegs ist und schon die ganze Nacht im Bett sooolche Schmerzen im Fuß hatte. Hier habe ich gleich auf einen akuten Gichtanfall getippt, mit dem Hinweis, dass ich den Patienten nach der genauen Lokalisation (unten am Ballen) frage (könnte ja auch was anderes sein) und er, da er ja unterwegs ist, einen Arzt aufsuchen solle, damit eine entsprechende Behandlung eingeleitet wird. Bei diesem Krankheitsbild wollte die Beisitzerin noch wissen, wie man die Diagnose sichern könnte (Labor) und wie behandeln.
Schon waren die ersten 10 Minuten vorbei und Dr. D. gab weiter an Beisitzer Nr. 2.

Fallbeispiel Nr. 4: Ein langjähriger Patient kommt vorbei, ist ganz unsicher. Er war beim Hausarzt zum Check-Up und wollte zur Ergebnisbesprechung einen Termin ausmachen. Am Telefon sagte die Sprechstundenhilfe "Ach, Sie rufen an wegen Ihrer Leberzirrhose...". Jetzt will der Patient wissen, was das ist.... Also, Leberzirrhose volles Programm (wobei Wert gelegt wurde auf irreversibel). Zwischendurch dann auch Fragen, warum Ösophagusvarizen (Umgehungskreislauf) und warum Aszites aber keine Ödeme an den Knöcheln (Pfortaderhochdruck) usw. Die nächsten (gefühlt deutlich längeren) 10 Minuten waren vorbei.

Jetzt übernahm Dr. D. selbst. Es war nur ein Wort: Fascialisparese... War nicht so ganz mein Thema, hier entwickelte sich jedoch dann ein Dialog und wie man sieht, hats gereicht ;-) Es ging los mit was ist das, wie wirkt sich das aus (Mimik), wie kann man testen (Backen aufblasen usw.), welche Arten der Fascialislähmung gibts (zentral, peripher) und wie kann man beides unterscheiden, wodurch entsteht sie (Verletzungen, Infektionen usw.) und nachbohr und nachbohr... Am Ende hat Dr. D. aber auch zugegeben, dass sie es mir hier recht schwer gemacht hat. Und schon musste ich vor die Tür, damit sich die Prüfer beraten konnten.

Nach etwa einer halben Minute wurde ich wieder reingeholt und gefragt, welches Gefühl ich hätte. War ehrlich und sagte, überhaupt kein gutes... da ich ja einige Male (v. a. beim Fascialis, mir kams jedenfalls ziemlich oft vor) hatte sagen müssen, dass ich etwas nicht weiß bzw. nachschauen müsste und sooo aufgeregt sei, dass sich Leere in meinem Kopf breitgemacht hat. Darauf die Antwort der Amtärztin, es sei auch der Sinn der Prüfungssituation, dass man sich dann trotzdem zusammenreißt und nicht aufgibt, denn beim Notfall ginge Weglaufen auch nicht. Ich hätte mich echt wacker geschlagen... und BESTANDEN!!!!!!

Zusammenfassend kann man sagen, die Prüfung war sehr fair und Amtsärztin sowie beide Beisitzer sehr nett. Wenn man hängenbleibt oder etwas nicht weiß und das auch zugeben kann, wird durch Nachfragen seitens der Prüfer ggf. auf die Sprünge geholfen. Ich habe zwischendurch auch mal laut nachgedacht und den Fragesteller teilhaben lassen, in welche Richtung meine Gedanken gehen. Diese wurden zum Teil aufgegriffen und weitergefragt, was mir sehr entgegenkam (bin nicht der Typ von ellenlangen Monologen, kurz und knapp ist mir lieber…).
Wichtig ist, sich nicht verunsichern zu lassen, egal was passiert. Wäre ich nicht sooo aufgeregt gewesen, hätte ich die Atmosphäre bestimmt als entspannt empfunden, auch das Prüfungsteam saß die ganze Zeit ganz locker auf der anderen Schreibtischseite. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses haben sich die Prüfer sichtlich mit mir gefreut. Werde aber wahrscheinlich noch einige Zeit brauchen, bis ich es wirklich glauben kann...
Allen Beteiligten (und durch Zeitmangel Leidtragenden wie meinem Mann ;-) )noch mal HERZLICHEN DANK!!

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